Netflix am Boden? Update zum Warner-Deal

Warner Netflix Trophy
Gemini_Generated_Image_mqc9hzmqc9hzmqc9-1024x558 Netflix am Boden? Update zum Warner-Deal

Die meisten von euch haben es sicher mitbekommen bzw. es vielleicht auch hier gelesen. Der Streaming-Gigant Netflix schien Warner Bros. Discovery (WBD) für rund 83 Milliarden Dollar zu verschlingen. Ein Paukenschlag für Hollywood, nur nicht unbedingt einer der von allen, mich einbezogen, gefeiert wurde.

Jetzt, nur zwei Monate später, ist Netflix anscheinend raus aus dem Rennen und das Filmstudio Paramount rückt nun doch als neuer Favorit nach. Unabhängig davon, wer letztlich die Kronjuwelen wie DC, Harry Potter, Game of Thrones und Co. von Warner einheimst, bleibt das Kernproblem doch gleich.

Auf den ersten Blick mag die Wendung beruhigend wirken. Netflix als Algorithmus-Monster, das Filme als Wegwerf-Artikel konzipiert und keinen Wert darauf legt, diese Kunst nachhaltig zu konservieren (Blu-rays), macht einen Rückzieher bzw. wird das das eigene Angebot nicht nachgebessert. Doch die Konsolidierung rollt auch durch eine Übernahme von Paramount/Skydance weiter und die langfristigen Folgen für Vielfalt, Preise und kreative Freiheit sind nur bedingt besser.

Von Netflix zu Paramount/Skydance

Nun, was ist seit Dezember passiert? Netflix hatte im Dezember 2025 angekündigt, Warner Bros. Studios, HBO Max und die gesamte Archivbibliothek für 82,7 Milliarden Dollar zu kaufen. Der Deal sah eine Mischung aus Bargeld und Aktien vor, wobei Netflix eigentlich nur das Studio- und Streaming-Geschäft übernehmen wollte, während klassische lineare TV-Sender abgespalten werden sollten. Mit Abschluss in 12 bis 18 Monaten, abhängig von Aktionären und Kartellbehörden.

Doch dann kam der Dämpfer im Januar 2026. Paramount grätschte mit einem feindlichen Gegenangebot dazwischen, das im Gegensatz zur Netflix-Offerte ein reines und damit für Aktionäre sichereres Cash-Angebot war. Zudem will Paramount WBD komplett schlucken, also inklusive aller TV- und Nachrichtensender wie CNN. Parallel startete das US-Justizministerium (DOJ) eine vertiefte Kartellprüfung, elf Bundesstaaten drängten auf harte Kontrolle und Präsident Trump signalisierte Skepsis. Netflix weigerte sich, das eigene Angebot daraufhin nachzubessern.

Am 26. Februar 2026 zog Netflix nun die Reißleine. Das Angebot sei zu teuer, der Deal nicht mehr attraktiv. Die Börse hat diesen Rückzieher übrigens regelrecht gefeiert. Die Netflix-Aktie schoss nachbörslich um rund zehn Prozent in die Höhe, da der Streaming-Gigant sich nun einen teuren Bieterkrieg spart und für das bloße Nichtstun eine Milliardensumme kassiert. WBD stuft Paramount nun als Sieger ein, aber auch das ist kein automatischer Sieg. Noch fehlen Aktionärszustimmung und Behördengenehmigung.

Die Strafzahlungen

Im Netflix-Vertrag war eine Company Termination Fee von 2,8 Milliarden Dollar vereinbart. Wenn WBD zu einem besseren Angebot wie das von Paramount wechselt, fließt diese Pönale an Netflix. Paramount hat jedoch zugesagt, diese Summe für WBD zu übernehmen, was ein durchaus cleverer Schachzug ist, um den Wechsel zu erleichtern. Ein Reverse Fee von 5,8 Milliarden hätte Netflix hingegen an WBD gezahlt, falls Kartellbehörden den Deal blockiert hätten.
Um den WBD-Aktionären den Wechsel noch schmackhafter zu machen, hat Paramount obendrein eine sogenannte Ticking Fee versprochen. Sollte sich der Abschluss durch die Kartellbehörden über den September 2026 hinaus verzögern, zahlt Paramount für jedes weitere Quartal 0,25 Dollar pro Aktie zusätzlich an die WBD-Aktionäre aus. Auch die Strafe für ein Scheitern am Kartellamt hat Paramount direkt mal auf satte sieben Milliarden Dollar erhöht.

Bequemlichkeit mit Haken

HBO Max wird auf kurz oder lang obsolet und mit Paramount+ verheiratet. Alles wandert in eine gemeinsame Plattform. Mit über 400 Millionen Nutzern entsteht ein neuer Gigant, der Disney+ und Co. stark unter Druck setzen wird. Klingt doch eigentlich nicht schlecht, oder? Denn Wettbewerb belebt ja das Geschäft.

Aber tatsächlich haben wir durch den Zusammenschluss einen Player weniger am Markt und weniger Konkurrenz kann zu einem Ungleichgewicht, bis hin zu quasi Monopolen führen. Der neue Konzern muss die Milliarden-Übernahme finanzieren, auf Kosten der Abonnenten. Immerhin ist Paramount ein klassisches, solides Studio, oder? Mit Skydance und CEO David Ellison droht aber eigentlich nur der nächste Algorithmus-getriebene Massen-Content, statt der bislang gewohnten, teilweise risikoreichen HBO-Qualität.

Immer noch Alarmstimmung

Gewerkschaften (WGA, SAG-AFTRA, DGA, Teamsters) bleiben kritisch. Marktkonzentration bedroht Jobs und Rechte. Der Wechsel zu Paramount mildert das nur bedingt, es ist eher nur ein anderes Monopol.

Ob Netflix oder Paramount, die Zerschlagung eines Imperiums geht weiter. Vielfalt schrumpft, Preise werden steigen und die Kreativität leidet. Für Fans und Sammler ist es vielleicht kein ganz so harter Schlag mehr, aber auch Paramount veröffentlicht durchaus auch neue Inhalte ausschließlich im Streaming ohne ein Kinofenster zu gewähren. Eine Veröffentlichung auf Disc ist dann zudem ungewiss. Letztendlich bezahlen wir als Filmliebhaber mit Kulturverlust.

Wie seht ihr das? Hauptsache nicht Netflix oder ist Paramount auch nur ein Wolf im Schafspelz? Schreibt es in die Kommentare!