Good Luck, Have Fun, Don’t Die

dontdiebanner Good Luck, Have Fun, Don’t Die

Am Wochenende war ich endlich mal wieder im Kino und habe neben The Bride und der Astronaut, über den ich hier auch noch schreiben werde, Gore Verbinskis Sci-Fi Dystopie Good Luck, Have Fun, Don’t Die (GLHFDD) gesehen. Ich war schon durch den Trailer zu GLHFDD extrem gespannt auf den Film. Gore Verbinski zurück auf dem Regiestuhl, Sam Rockwell in Höchstform und eine Prämisse, die nach purem Sci-Fi-Chaos schreit, meine Erwartungen waren hoch; vielleicht zu hoch?

Worum geht es eigentlich?

Good Luck, Have Fun, Don’t Die beginnt schlagartig. Ein sichtlich mitgenommener Mann (Sam Rockwell) stürmt um punkt 22:10 Uhr in ein typisches Diner in Los Angeles. Er behauptet, er komme aus der Zukunft, um die Menschheit vor einer drohenden KI-Singularität zu retten, die bereits um Mitternacht aktiviert werden soll.

Dabei ist diese Nacht bereits sein 117. Versuch, die Apokalypse abzuwenden. In den vorherigen Anläufen ist er immer wieder gescheitert, weil er nie die exakt richtige Kombination an Helfern dabei hatte. In dieser Nacht wählt er eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Fremden aus, darunter Ingrid (Haley Lu Richardson), eine junge Frau mit einer physischen Allergie gegen WLAN, Janet (Zazie Beetz) und Mark (Michael Peña), zwei frustrierte Lehrer, sowie Susan (Juno Temple), eine trauernde Mutter. Außerdem ergänzen Kuchenliebhaberin Marie (Georgia Goodman) und Uber-Fahrer Scott (Asim Chaudhry) den Trupp. Gemeinsam müssen sie einen neunjährigen Jungen aufspüren, der als „Vater der KI“ gilt, um ein Sicherheitsprotokoll zu installieren, bevor die Welt, wie wir sie kennen, im digitalen Rauschen versinkt.

Ein wilder Ritt mit Hindernissen

Der Film hält erst einmal, was der Trailer verspricht. GLHFDD ist ein absolut wilder Ritt, wobei der Humor im fertigen Film etwas reduzierter ausfällt, als ich es vom Trailer her erwartet habe. Wenn er aber zuschlägt, dann meist brachial. Mein größtes Problem war jedoch das Pacing. Verbinski nutzt episodische Rückblicke, um die Hintergründe der Charaktere zu beleuchten. Diese sind zwar essenziell, da sie den Hauptteil der eigentlichen Handlung ausmachen, führen aber dazu, dass der Film immer wieder sein Momentum verliert. Mit einer Laufzeit von 134 Minuten ist das Werk ohnehin schon recht lang.

Einen Teil des massiven Eröffnungsmonologs im Diner kannte ich ja schon aus dem Trailer. Im Nachhinein denke ich, hat man etwas viel Zeit im Diner verschwendet, obwohl es andererseits eben genau diese Einführung auch braucht, um die Menschen zu motivieren, mit Sams Charakter mitzugehen. Dass bei seiner 117. Ansprache überhaupt noch wer mitgekommen ist, grenzt dabei fast an ein Wunder. Ein wenig knapper hätte man die Szene sicher machen können, aber sie ist für mich kein wirklich großer Kritikpunkt. In einem Interview sprachen Verbinski und Rockwell übrigens darüber, dass sie diesen Einstieg akribisch wie ein Hörspiel geplant hätten, um den richtigen Rhythmus zu finden.

Als Sci-fi Dystopie kommt man heute nicht mehr um das Thema künstliche Intelligenz herum. Als jemand, der sich beruflich viel mit KI befasst, fand ich die Darstellung doch noch sehr absurd. Wir sind von einer AGI (Artificial General Intelligence), also einer KI die wirklich lernt und ein Bewusstsein hat, heute noch weit entfernt. Dass eine KI hingegen heute schon Menschen beauftragt, um Dinge in der echten Welt zu erledigen, ist bereits Realität. Interessant wird es, wenn wir oder eine KI in zehn, zwanzig oder hundert Jahren auf diesen Film zurück blicken. Wie viel Fiktion und wie viel Realität steckt dann noch in der Geschichte?

Das Thema Social Media, soziale Verwahrlosung und Abhängigkeit von Großkonzernen ist im Film natürlich ebenfalls sehr plakativ, teils vielleicht auch belehrend, gerade für jüngere Zuschauer mag es sogar albern wirken. Ich sehe da aber einen ernsten Punkt darin und erkenne eine gewisse Angst, die Verbinski hier mit uns teilen möchte. Für den Film war es passend, ob man damit aber wirklich eine Gesellschaft erreicht, die schon zu abhängig von TikTok und Instagram ist, wage ich zu bezweifeln. Die Menschheit rennt ja meist doch lieber sehenden Auges in ihr Verderben.

Handarbeit trifft auf surreale Brüche

Optisch sah der Film für das, was er ist, gut aus. Der Anzug von Sam Rockwell erinnerte mich in Teilen an Zurück in die Zukunft, was ich sehr mochte. Er wurde übrigens aus echtem Elektroschrott wie alten Platinen und weiteren Bauteilen zusammengebaut und wog rund 18Kg. Da die Geschichte größtenteil in einer realität die unserer sehr ähnelt spielt, wirkten die Sets auch alle handfest und wertig.

Anders als das CGI. Gerade da, wo es absurd wird, war eben auch klar als solches zu erkennen. Ein Beispiel ist der Auftritt des riesigen Zentauren, dessen Auftritt bereits im Trailer angeteasert wird. Das war für mich inhaltlich schwer nachvollziehbar und die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit, also die Akzeptanz von Unglaubwürdigkeit einer Fiktion, um sie genießen zu können, bröckelte hier für mich ein wenig. In einer virtuellen Realität wäre das logisch, aber nach allem, was wir wissen, befinden wir uns in einer echten Welt. Ich hatte eigentlich eine Auflösung im Sinne von „Wir sind in einer Matrix“ erwartet. Gerade darum war der Film absolut Stellenweise zu absurd, over-the-top und letztendlich dennoch unterhaltsam.

Das „Everything Everywhere All At Once“ von 2026

Ich hatte nun ein paar Tage Zeit, den Film zu verarbeiten, und würde ihn aktuell als das Everything Everywhere All At Once von 2026 beschreiben. Er ist abstrus, absurd, unheimlich schnell und man muss im Kopf wach bleiben, um alle Dimensionen zu erfassen.

Ich hatte enorm viel Spaß, sehe aber im Nachhinein eben auch die angesprochenen Kritikpunkte beim Pacing und der bröckelnden inneren Logik, weswegen ich aktuell 4 von 5 Sternen gebe. Direkt nach dem Kino fühlte es sich noch nach einer 5/5 an.

Leider floppt der Film aktuell ziemlich an den Kinokassen und wird wohl eine Weile in einer Nische bleiben. Bisher sind für Deutschland auch nur Blu-ray und DVD angekündigt. Ich hoffe inständig, dass Constantin Film hier noch eine 4K Ultra HD Blu-ray nachlegt, denn der Film hätte es verdient. Ich werde ihn mir auf jeden Fall noch mal zu Hause ansehen.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die hat aus meiner Sicht aber durchaus das Potential ein moderner Klassiker werden zu können.

Was sagt ihr? Gebt ihr Gore Verbinski eine Chance oder ist euch das Ganze zu drüber? Ab in die Kommentare!